21.05.2007
Unterm Hammer
UDO SCHWICKAL
GW-Auktion / Fahrzeugauktionen werden als Einkaufsquelle und Vertriebsweg für den Handel immer beliebter. Die Händler können live vor Ort oder per Mausklick am PC mitsteigern
Anders als in England, wo die berühmtesten Auktionshäuser Sotheby's und Christie's eine lange Versteigerungstradition begründet haben, hatten Auktionen hierzulande lange einen schweren Stand. Zu Unrecht, werden Angebot und Nachfrage in der Verkaufs-form Auktion doch am deutlichsten abgebildet. Nicht ohne Grund werden die erzielten Preise immer häufiger ais Richtlinie für die Fahrzeugbewertung (siehe auch z.B. AutoReale.de) verwendet. Zudem gestaltet sich der Verkaufsprozess in Auktionen sowohl für den Käufer als auch für den Verkäufer äußerst transparent. Hinzu kommt die besondere Atmosphäre auf Versteigerungen, wo es einem professionellen und charismatischen Auktionator gelingt, selbst Ladenhüter noch zu einem adäquaten Preis zu verkaufen.
Live oder online
Versteigert wird in Live-Auktionen, das heißt, die Aufkäufer sind physisch vor Ort, um die Fahrzeuge in echt zu begutachten und gegebenenfalls mitzusteigern, oder in so genannten Online-Auktionen. Deren Popularität hat nicht nur wegen des weltweiten Erfolgs von eBay stark zugenommen. Auch die Aussicht, bequem am Schreibtisch sitzend per Mausklick das Fahrzeugangebot inspizieren und eigene Gebote abgeben zu können, ist für viele Händler nicht nur aus Zeitgründen verlockend.
Für manche Autohäuser ist das Mitsteigern am Computer häufig aus Personalnot die einzige Möglichkeit, an Auktionen teilzunehmen. Doch eine verbesserte Programmierung und schnellere Datenleistung sorgen bei den etablierten Online-Auktionen längst für ein Live-Feeling. Europas größtes Auktionshaus für Automobile British Car Auctions (BCA) hat im Jahre 1997 den Sprung von Großbritannien über den Kanal gewagt. Die Online-Auktionen folgten ab 2002, so dass BCA ais eines der wenigen Auktionshäuser sowohl Live- als auch Online-Auktionen anbietet.
In Deutschland ist BCA mit acht Auktionszentren vertreten, europaweit mit 42 Zentren. Nach Unternehmensangaben sind rund 41.000 Händler hierzulande registriert, so dass zu den physischen Auktionen jeweils bis zu 200 Händler vor Ort und gleichzeitig rund 150 per Live-Online-Technologie elektronisch eingeloggt sind.
Um sich bei den physischen Auktionen rechtzeitig auf das Angebot vorbereiten zu können erhalten die Interessenten vorab einen Online-Katalog oder vor Ort ein gedrucktes Exemplar. In beiden sind die Fahrzeuge detailliert beschrieben, online auch bebildert. Jede Auktion fungiert unter einem Themenschwerpunkt wie Inzahlungnahmen, Leasing-, Miet- oder Behördenfahrzeuge. Zwei Auktionatoren sorgen dafür, dass die Versteigerung pro Fahrzeug nicht länger als 45 Sekunden dauert.
Auch die Online-Auktionen, die in der Regel 300 bis 400 Händler verfolgen, finden unter verschiedenen Themen statt. Um die Zustandsbeschreibungen objektiv zu gestalten, werden diese von einer unabhängigen Sachverständigenfirma inklusive der Fotos aller Schäden erstellt. Nach .Ablauf der regulären Auktionsphase kommen alle Fahrzeuge in die so genannte "X-Bid Phase", wo auf alle Fahrzeuge noch einmal wie in einer physischen Auktion geboten werden kann. Als besondere Leistungskompetenz werden von BCA die maßgeschneiderten Remarketing-Lösungen für Einlieferer und eine komplette Tran Sportlogistik betont.
Mit 60.000 vermarkteten Fahrzeugen im letzten Jahr zählt Auktion & Markt nicht nur zu den größten Auktionshäusern in Deutschland, sondern auch zu den am längsten am Markt etablierten. So führt das Unternehmen physische Auktionen bereits seit 1988 durch, die erste Online-Auktion unter der Plattform Autobid.de fand 2003 statt. Insgesamt sind europaweit rund 20.000 Händler registriert, um aus dem Angebot von Auktion & Markt oder auf den DC-Werkswagen- und Niederlassungsauktionen und den BMW-Insolvenzverwertungen zuzukaufen. Eigene Fahrzeuge können grundsätzlich nur markengebundene Händler anbieten.
Mega-Auktionen
Wöchentlich werden bis zu sechs Auktionen mit bis zu 1.000 Fahrzeugen durchgeführt, per Internet maximal acht Auktionen mit bis zu 800 Fahrzeugen.
Als besondere Leistungen verspricht Auktion & Markt in seinen bundesweit zehn Auktionszentren Themen-Auktionen, regelmäßige Mega-Auktionen mit bis zu 1.500 Fahrzeugen, Auktionsanalyse sowie eine intensive Beratung und einen Marketingservice für die Einlieferer.
Die Registrierung für die mehrsprachige Online-Auktion Autobid.de ist kostenlos und bietet neben einer ausführlichen Fahrzeugbeschreibung bis zu 4 Auktionen täglich ausschließlich mit Premiumfahrzeugen.
Den Fokus ganz auf Online-Auktionen hat die Euro Car Auction Network (ECAN) seit 1. Mai gerichtet. Im Zuge dessen wurde auch der Firmensitz von Marl nach Ratingen verlegt. Die Online-Auktionen, die seit 2005 stattfinden, werden weiter täglich durchgeführt, zusätzlich finden Themen- und Partnerauktionen sowie Direkt verkaufe statt. Zurzeit sind rund 4.000 Händler bei ECAN registriert, die ein Füll-Service-Angebot von der Fahrzeuglogistik über Prozessmanage-ment, Bewertung, Gutachten, Briefhandling, Inkasso bis hin zu Marketingleistungen in Anspruch nehmen können.
Eine Sonderstellung unter den Auktionen nimmt die Autosparte von eBay, eBay Motors, ein. Zwar zählt die Plattform mit 3,9 Mio. Besuchern monatlich und 175.000 verkauften Pkws im letzten Jahr zu den erfolgreichsten Internetadressen von Autoauktionen. Durch die maximal 10-tägigc Auktionsdauer erneuert sich der Bestand an aktuell 25.000 Fahrzeugen auch relativ schnell. Da eBay Motors allerdings lediglich die Plattform für juristisch bindende Verträge zwischen Verkäufern und häufig privaten Käufern bietet, scheuen viele Händler das Haftungsrisiko das bei reinen Händlerplattformen entfällt. Die Auktionsform kann bei eBay Motors mit einem Mindestpreis kombiniert oder gleich als Festpreis versteigert werden.
Angebote vom Privatmarkt
Das dänische Unternehmen Autorola.de ist seit 2003 in Deutschland vertreten. Wie eBay Motors bietet Autorola auch Fahrzeuge von Privatleuten an. Den ausschließlich gewerblichen Käufern soll hier der schwierige Zukauf zum Privatmarkt erleichtert werden. Rund 17.000 Händler nutzen nach Unternehmensangaben bislang das Angebot von Autorola. Dazu zählt auch ein Kundencenter, das in engagierten Nachverhandlungen die Abschlussquote möglichst hoch halten möchte. Kosten fallen bei Autorola nur beim Kaufabschluss an, das Einstellen der Fahrzeuge, die detaillierte Beschreibung und der Auktionskatalog per E-Mail sind dagegen gratis.
Jürgen Heyne, Geschäftsführer des Online-Auktionshauses Auto-Auktionen-Europa.de (a-a-eu.de) ist besonders stolz auf die hohe Auflösequote von 90 Prozent und die niedrige Reklamationsrate von 0,5 Prozent seiner Plattform. "2006 haben wir Qualität vor Quantität gestellt und kein Fahrzeug ohne Wertgegencheck zum Ausrufpreis in die Auktion aufgenommen. Hier hat sich gezeigt, dass eine Ergebnisbesprechung und die Festlegung eines realistischen Ausrufpreises im Vorfeld für den Einsteller Marktpreise bedeutet und uns unnötige und unbezahlte Leistungen erspart", so Heyne.
Auto-Auktionen-Europa.de hat sich als Vermarktungsquelle für große Insolvenzkanzleien etabliert, für die jährlich rund 1.000 Fahrzeuge versteigert werden. Die werktäglich durchgeführten Auktionen sind in Echtzeit mit einer Endspurtphase programmiert, um so eine reale Auktionsatmosphäre aufkommen zu lassen.
Datum 21-05-2007
Quelle: Autohaus (Springer Transport Media GmbH)
Ausgabe: 10-2007
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